Die italienische Renaissance manifestierte sich in Florenz und Venedig in unterschiedlichen politischen und künstlerischen Kontexten. Während das republikanische Florenz von bürgerlichen Mäzenen wie den Medici geprägt war und den intellektuellen Entwurf (disegno) als Ausdruck rationaler Ordnung betonte, stand das aristokratische Venedig unter dem Einfluss einer stabilen Oligarchie, die prachtvolle Repräsentation förderte. Hier entwickelte sich das colorito – die Betonung von Farbe und Licht – als sinnliche Alternative zum florentinischen Zeichendenken. Beide Konzepte verkörpern komplementäre Ideale der Renaissance: Vernunft und Empfindung. Wir widmen uns dem Thema im Dialog sowohl aus historischer wie kunsthistorischer Perspektive.