Was macht die historische Größe von Päpsten aus? Große Päpste im Mittelalter waren nicht nur geistliche Führer, sondern oft auch Staatsmänner, Reformer und Symbolfiguren einer neuen Kirchenordnung. Ihr Erfolg lag darin begründet, dass sie die Kirche in turbulenten Zeiten stabilisierten, ihre Unabhängigkeit behaupteten und sie als moralische Autorität in Europa verankerten. In den Blick geraten dabei neben Charisma und einer starken geistlichen Autorität auch Faktoren wie hochentwickelte politische Durchsetzungskraft, Konfliktfähigkeit und Standhaftigkeit, reformerische Energie und die Fähigkeit, Institutionalisierungsprozesse anzustoßen und zu lenken. Dieses anspruchsvolle Anforderungsprofil erfüllten Personen wie etwa Gregor VII. (1073 – 1085), mit dessen Namen sich die »gregorianischen Reformen« des 11. Jahrhunderts verbinden, Innocenz III. (1198 – 1216), dem nicht ganz zu Unrecht das Label anhaftet, der »größte Papst« der Geschichte gewesen zu sein, oder auch Pius II. (1458 – 1464), der »Humanistenpapst«.